Texte zur Kunst von Hama Lohrmann

zentrales wesensmerkmal der natur ist der beständige wandel | alles lebendige ist in bewegung. meine arbeiten in der natur, bestehen aus materialien, die ich vor ort, oder in der näheren umgebung der objekte finde | dadurch unterliegen auch sie dem wandel, sie sind notwendigerweise vergänglich | nach der fotografischen dokumentation, überlasse ich die arbeiten dem natürlichen zerfall |

mir ist bewußt, dass die fotografien nur einen schwachen nachhall des eigentlichen künstlerischen prozesses darstellen | die sinnliche und körperliche erfahrung des arbeitens mit natur , die poesie und die flüchtigkeit des augenblicks, lassen sich nur selbst erleben |

die titel der arbeiten beschreiben das, was sie sind || bestimmte materialien an einem bestimmten ort zu einem bestimmten zeitpunkt | interpretationen und assoziationen bleiben dem betrachter selbst überlassen, da ich diesbezüglich nichts vorwegnehmen möchte | auch würde dies nicht meinem vorgehen entsprechen, da ich ohne konkret inhaltliches konzept an die arbeit gehe, und gerade die freiheit des nichtdenkens, im intellektuellen sinn, genieße, die mir durch die zum teil anstrengende körperliche arbeit in der natur ermöglicht wird |

ich erstelle bevorzugt klare geometrische formen, die als menschliche spuren in der scheinbar chaotischen willkürlichkeit der natur, eindeutig erkennbar sind | die starke symbolik, die zum beispiel der kreisform innewohnt, eröffnet dem betrachter möglicherweise einen emotionalen zugang zu meinen arbeiten | jeder ort den ich betrete, hinterlässt eine spur in mir | ebenso manifestiere ich mich vorübergehend durch flüchtige spuren | der mensch hat meines erachtens, im bewußtsein der eigenen vergänglichkeit, das bedürfnis, seine anwesenheit auf der welt durch spuren jeglicher art zu belegen |

in einer zeit des vollkommen ausgearteten materialismus bietet meine kunst dem betrachter die möglichkeit sich zu besinnen und zu bescheiden | man erblickt nur vergangenes, verflüchtigtes, spuren. man muß sich von dem gedanken verabschieden, alles sehen, erleben, bewahren zu müssen, und eine welt anerkennen, die mit ihren gesetzen der vergänglichkeit und unbeherrschbarkeit neben der künstlichkeit von museen und ihrer aufgehobenen geschichte besteht |

hama lohrmann, märz 2006 |